Vorbildliche Architektenprojekte
im Städtebau
Zum Beispiel: Die Wohnsiedlung "Aumühle" in Augsburg
Beschreibung:
Das 4,4 ha große Grundstück des Kulturparks Aumühle liegt östlich des Augsburger Stadtzentrums am Schnittpunkt der Amagasaki - Allee, der neuen Stadtautobahn, und der Otto-Linden-meyer-Strasse im historisch bedeutenden Textilviertel. Hier entstand 1910 das Werk der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei "Aumühle". Die durch den Strukturwandel in der Textilindustrie entstandene Brachfläche neben dem Wahrzeichen Augsburger Industriegeschichte, dem "Glaspalast", und der sich im Süden befindlichen Textilfabrik wurde nun in das Stadtgefüge integriert und neuen städtischen Lebensformen zugeführt. Eine Herausforderung der Planungsaufgabe bestand darin, ein Stadtquartier zwischen Altstadt und Lech zu schaffen, welches Industrie, Arbeiten, Wohnen und Freizeit verträglich verbindet. Der Entwurf sieht eine flächensparende Bauweise mit geringem Versiegelungsgrad vor. Die südwestorientierte Wohnanlage besteht aus Stadt- und Reihenhäusern, die zu übersichtlichen Hausgruppen mit jeweils 3 bis 5 Einheiten zusammengefaßt sind. Nach Norden und Süden hin werden die Hausgruppen durch Riegelgebäude räumlich gefasst und somit der Übergang von der kleinteiligen Struktur zur altehrwürdigen Gewerbesubstanz und damit auch der erforderliche Schallschutz für die neue Wohnanlage geschaffen. Die vorgeschlagenen Typen können jeweils auch als Doppel-, Reihen- und Kettenhäuser verwirklicht werden.
Siedlungsökologie
Trotz städtischer
Dichte weist das neue Stadtquartier einen hohen Grünanteil auf. Im gesamten
nördlichen Bereich wurde der wertvolle alte Baumbestand integriert und in die
Wohnwege durch Neupflanzungen geführt. Neben den gemeinschaftlichen Grünzonen,
wie dem Quartierpark, erfüllt das vielfältige Angebot an Freiflächen in Form
von Gärten und Dachgärten die Anforderungen an naturnahes und parkähnliches
Wohnen. Die versickerungsaktiven Bodenbeläge und die Begrünung der Pultdachflächen
mit Heidegräsern führen zur Reduktion von versiegelten Flächen. Ebenso günstig
auf das Quartiers- und Raumklima wirkt sich die Fernwärmeheizung durch Reduzierung
der Emissionen aus.
Konstruktion
Die Gebäude wurden
in Massivbauweise, Außen- und Zwischenwände in einheitlichem Material KS Planstein
erstellt. Die tragenden 17,5 cm starken Außenwände mit KS Stürzen orientierten
sich am Rastermaß der Steine sodass bei den bereits 32 von insgesamt 88 ausgeführten
Häusern keine Schneidearbeit und kein Materialverlust entstand. Verkleidet sind
die Außenwände mit 15,0 cm, die Bodenplatte unter dem Treppenraum mit 5 cm Wärmedäm-
Bebauungsachsen öffnen sich die strengen Zeilen zu den östlich gelegenen Grünanlagen.
Erschließung
Das Wohnquartier wird optimal von der Amagasaki - Allee zur Otto-Lindenmeyer-Strasse
als reine Anliegerstrasse über öffentliche und private Wohnstraßen erschlossen.
Der ruhende Verkehr ist aus dem Wohngebiet ferngehalten und in Tiefgaragen mit
direktem Zugang zu fast allen Häusern untergebracht. Belästigung und Gefährdung
der Anwohner werden dabei auf ein Minimum reduziert. Das Stadtzentrum, der Hauptbahnhof,
die Flughäfen Mühlhausen und Lagerlechfeld, die Autobahn A8 sind gut erreichbar.
In unmittelbarer Nähe befinden sich Einkaufszentren, Grundschule, Kindergärten,
Kinos, Sportplätze und Museen.
Konzept
Für die Bebauung wurden mit dem Atelier-, Kompakt- und Komforthaus 3 Typen
verwirklicht. Die Reduktion auf neutrale Grundstrukturen, die klare geometrische
Form der Grundrisse ohne tragende Innenelemente lassen eine hohe Flexibilität
und Anpassung an bestehende und künftige Bedürfnisse der Nutzer wirtschaftlich
zu. Trotz Standardisierung auch der Bauelemente konnte mit dem Entwurf ein hohes
Maß an Individualisierung und Identitätsstiftung bei niedrigen Kosten erreicht
werden. Bei geometrisch bedingten Wärmebrücken und wo es auf Druckfestigkeit
in der Wärmedämmmung, wie unter Terrassentürblechen ankam, wurde der KS ISO
Kimmstein eingesetzt. Erd- und Obergeschoss sind verputzt, das Dachgeschoss
wartungsfrei mit Aluminium verkleidet. Innenwände 10,0 cm und 17,5 cm aus KS
E Steinen mit integriertem Elektrokanal zur Verlegung der schlitzfreien Elektroinstallation.
Mit der gewählten Konstruktion im Niedrigenergiestandard und der konsequenten
Ausrichtung der Häusergruppen nach Südwesten konnten die Planungsziele optimal
erreicht werden. Gestaltung Die Gestaltung der Außenbauteile und Freiflächen
fügen die Quartiersbereiche stilistisch zusammen. Das abwechslungsreiche Farbkonzept
in warmen Erdtönen unterstreicht das toskanische Flair der Anlage und vermittelt
eine heitere Atmosphäre.
| Bauwerk | Wohnhäuser als Stadt- und Reihenhäuser |
| Planung |
Schwendtner Architekten |
| Bauausführung | Walter Bau AG Böheimstraße 886153 Augsburg |
| Planung Haustechnik Sanitär; Heizung |
IB Kreysing + Rott IB Energietechnik Johannes Nardten |
| Lage | Zur Aumühle 9-9q, 11-11n, 86153 Augsburg |
| Fertigstellung | 1. Bauabschnitt März 2004 |
| m³ umbauter raum |
Atelierhaus 711 m³ |
| m² beheizbare Fläche | Atelierhaus 135 m² Komforthaus 124 m² |
| Jahresprimärenergiebedarf pro m² beheizbarer Fläche | 78 kWh/m²a |
| Konstruktion, Baustoffe, Eigenschaften | Massivbauweise,Außen- und Zwischenwände einheitlich KS Planstein mit 15,0 cm Wärmedämmung WLG 0,35, tragende Wände 17,5 cm stark, nichttragende Innenwände 10,0 cm aus KS E Steinen mit integriertem Elektrokanal, Pultdachflächen extern begrünt |
| Lüftung | Wohngebäude und Tiefgarage natürlich belüftet. |
| Wärmeerzeugung | Heizung mit Fernwärme |
| Projekt erhielt eine Auszeichnung, wurde veröffentlicht? | - |
| ausführlicher Werkbericht | Veröffentlicht in der KS Broschüre "KULTURPARK AUMÜHLE - Stadthäuser am Augsburger Glaspalast" , Werkbericht der Kalksandsteinindustrie Bayern e.V., Rückersdorfer Str. 18, 90552 Röthenbach a.d. Pregnitz, Fon: +49(0)911-5406030, Fax:+49(0)911-5406039, info@ks-bayern.de |
| Ansprechpartner für weitere Informationen | Ansprechpartner für weitere Informationen Dipl.-Ing.(FH) Alfred SchwendtnerArchitekt |
| "Warum haben wir so gebaut" | Mit der gewählten Architektur und Konstruktion im Niedrigenergiestandard, der konsequenten Ausrichtung der Häusergruppen nach Südwesten konnten die Planungsziele in Bezug auf Ästhetik, Wärme- und Schallschutz optimal erreicht werden. |