Farbenfrohe Fassade setzt Akzente
Herausgesetzte Treppenhäuser als
Blickfang Erhöhter Schallschutz bis 61 dB durch Verfüllziegel
Rote und weiße Putzflächen im Wechselspiel, herausgesetzte Treppenhäuser und
hervortretende Wandscheiben - auch kostensparend erstellter Sozialer
Wohnungsbau kann attraktiv aussehen. Besonders viel Wert wurde auf die Auswahl
des Wandbaustoffes gelegt - in dem Mehrfamilienhaus im hessischen Hainburg
sorgen Wohnungstrenn- und Treppenhauswände für Ruhe. Porosierte Ziegel erzielen
ihre hohe Schalldämmung trotz schlanker Wände: Trennwände aus
Verfüll-Blockziegeln sorgen für Schutz von bis zu 61 Dezibel.
Ein Mehrfamilienhaus der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Hainstadt harmonisch
in eine Einfamilienhaus-Siedlung einbinden - dieser Herausforderung stellte
sich Architekt Detlev König. Er teilte das 2,5-geschossige Wohnhaus in drei
Baukörper: Zwei spiegelbildlich angeordnete, zweispännige Baukörper sind durch
einen zentralen einspännigen Baukörper verbunden. Die Fassade zur Straßenseite
ist durch hervortretende Wandscheiben gegliedert. Unterschiedliche Farbtöne und
eine Holz- verschalung tragen zur Differenzierung der Fassadenbereiche bei.
Rote Putzflächen auf den hervortretenden Wandscheiben verdeutlichen die
Gebäudeaufteilung und lockern die weiß gehaltene Eingangsfassade auf. Die
Gliederung der Fassade setzt sich auf der Gebäuderückseite fort. Vor- und
Rücksprünge des Baukörpers dienen je nach Geschosslage zur Anordnung von
Terrassen, Balkonen und Loggien. Mit einer hellgrauen Stulpschalung verkleidet,
hebt sich das Dachgeschoss deutlich von den unteren Geschossen ab.
Bis zu drei Meter ragen die Treppenhausanlagen aus der Fassade heraus. Zur
Straßenseite hin großzügig verglast, laden sie den Betrachter zum Eintritt in
das Gebäude ein. Ihre steilen Pultdächer verlaufen entgegengesetzt zur
Hauptdachfläche und beleben die Optik des gesamten Daches.
Wirtschaftlicher Wärmeschutz
Die abwechslungsreiche Architektur geht einher mit hochwertigen Wandbaustoffen.
"In der Region ist die Ziegelbauweise traditionell verbreitet",
erklärt Projektleiter Dipl.-Ing. Buddy vom Architekturbüro König. Planer und
Bauherr überzeugten sich im ortsansässigen Unipor-Ziegelwerk Wenzel von der
hohen Qualität der Ziegel.
Zur Optimierung der Wohnfläche sollte die Außenwand möglichst schlank
ausfallen. Das 24 Zentimeter dicke Hochloch-Zahnziegelmauerwerk sorgt zusammen
mit einem Wärmedämm-Verbundsystem für einen vorbildlichen Wärmeschutz.
Warmglas-Fenster und eine 160 Millimeter dicke Mineralfaser-Zwischensparrendämmung
in der Dachkonstruktion tragen zum wirtschaftlichen Wärmeschutz der
Gebäudehülle bei.
Schalldämmung mit Verfüllziegeln
Für die Wohnungstrennwände forderte der Investor einen erhöhten Schallschutz
von 55 Dezibel. Weil die Luftschalldämmung einer Wand maßgeblich vom
Flächengewicht abhängt, war ein schwerer Ziegel gefragt. Schwere Ziegel sind
jedoch aus brenntechnischen Gründen kleinformatig und das Vermauern daher
zeitaufwändig. Deshalb fiel die Wahl auf Füllziegel, die ihr hohes Flächengewicht
durch eine Mörtel- bzw. Betonfüllung erhalten. Unipor-Verfüll-Blockziegel 4109
(Zulassungs.-Nr. Z- 17.1.-520) erlauben geschosshohe Verfüllung mit Beton. Bei
einer Rohdichte von nur 0,9 kg/dm³ ist der Ziegel (12-DF-Format) ziemlich
leicht. Mit 24 Zentimeter Wanddicke und einem beidseitigen, 1,5 Zentimeter
dicken Putz wurde das geforderte Schalldämm-Maß erreicht.
Die Schlafzimmer der Wohnungen befinden sich direkt neben den
Treppenhausanlagen. König plante daher für die Treppenhaus-Trennwände einen
Schalldämmwert von 61 Dezibel ein. Das Schalldämmmaß liegt damit neun Dezibel
über dem nach DIN 4109 geforderten Wert von 52 Dezibel. Die mit
wirtschaftlichen Wanddicken zu erreichende Schalldämmung einschaliger Wände ist
wegen der Schallübertragung flankierender Bauteile auf einen Wert von 57
Dezibel begrenzt. Daher kam nur eine zweischalige Wandkonstruktion in Frage.
Zwischen den jeweils 11,5 Zentimeter dicken Ziegelschalen liegt die drei
Zentimeter dicke Trennfuge - komplett mit Mineralfaser-Schalldämmplatten ausgefüllt.
Die Trennfuge verläuft durchgehend von der Dacheindeckung bis zur Oberkante des
Fundaments - so wird der Schallschutz nicht durch Schallübertragung der Decken
verringert.
Biegefeste Anbindung
Da Schallübertragung auch über flankierende Bauteile erfolgt, achteten die
Verarbeiter auf eine biegesteife Anbindung der Trennwand an die Außenwand. Die
vollfugige, sogenannte "satte" Vermörtelung der zwei Zentimeter
breiten Anschlussfuge gewährleistet eine ausreichende Verzweigungsdämmung des
Wandanschlusses. Für die sichere Zugfestigkeit der Wandanbindung sorgten
eingelegte Anker.
Die insgesamt 15 Wohneinheiten sind auf unterschiedliche Haushaltsgrößen
zugeschnitten: Nutzflächen von 52, 70 und 85 Quadratmeter, Zwei-, Drei- und
Vierzimmer-Wohnungen. Alle Einheiten im Erd- und Obergeschoss verfügen über
Terrassen bzw. Balkone. Die Küchen sind mit freien Durchgängen an die
Wohnzimmer angeschlossen. Große Loggien zeichnen die Zwei- und
Dreizimmer-Wohnungen im Dachgeschoss aus. Um die Geschossfläche optimal
auszunutzen, sind hier die Wohnungsflure platzsparend in den Wohnraum
integriert.
Ökonomisch und ökologisch
Das Gebäude ist komplett unterkellert. Der Großteil der Parkplätze befindet
sich auf der Gebäuderückseite und wird durch ein Pflanzen-Rankgerüst von den
nahegelegenen Terrassen abgeschirmt.
Neben dem baulichen Wärmeschutz sorgen eine Heizanlage mit modernster
Brennwerttechnik sowie eine Wärmerückgewinnungsanlage für einen geringen
Heizenergieverbrauch.
Der Baupreis belief sich nach DIN 276 - also ohne Grundstücks- und
Baunebenkosten - auf 1.450.000 Euro. Bei einer Nutzfläche von 1.462
Quadratmetern erfüllte das Gebäude damit den Anspruch an kostensparendes Bauen.
Bautafel:
Objektadresse: Waldstr. 45 - 49, 63512 Hainburg-Hainstadt
Bauherr: Gemeinnützige Baugenossenschaft e. G. Hainstadt
Planung: König Architektur- und Statikbüro, Hainburg (Dipl.-Ing.
Architekt A. Buddy)
Rohbau: Richard Sprey Bauunternehmen GmbH, Seligenstadt
Wandbaustoff: Unipor-Zahnziegel (Außenwand), Unipor-Verfüll-Blockziegel
(Wohnungstrennwände)
Hersteller: Klinker- und Ziegelwerk Franz Wenzel GmbH, Hainburg
Nutz-/Wohnfläche: 1.462 /1.045 Quadratmeter
Reine Baukosten (nach DIN 276): 1.450.000 Euro