Ein lichtdurchflutetes Ziegelhaus
Kompakte, energiesparende
Architektur / Hoher Wärmeschutz mit verputzter Fassade
Einfache, zeitlose Architektur entspricht dem Trend zu gestalterischer
Klarheit. Architekt Tobias Hettl interpretierte bei der Planung seines
Wohnhauses in Obermichelbach (Franken) zudem traditionelle Bauformen neu. Es
entstand ein Objekt mit kompaktem Grundriss und typisch fränkischen Elementen
wie z. B. das weiße Putzmauerwerk ohne Dachüberstand. Hochwärmedämmende Ziegel,
passive Sonnenenergiegewinne und modernste Brennwerttechnik sorgen für
Energie-Einsparung.
Statt architektonischer Spielereien dokumentieren der rechteckige Grundriss und
ein einfaches Steildach ohne Gauben die Vorstellung des Bauherrn von einem
modernen, ländlich geprägten Haus. Es beweist auch: Energiesparendes Bauen
erfordert keine ausgeklügelten Belüftungssysteme oder
Wärmerückgewinnungsanlagen. Der Heizenergieaufwand wird schon durch die
kompakte Bauform niedrig gehalten.
Beim Wärmeschutz der Gebäudehülle setzte Architekt Hettl auf umweltgerechte
Baustoffe. Er verzichtete bewusst auf ein Wärmedämm-Verbundsystem mit dicken
Dämmschichten und entschied sich für einschaliges, mit Leichtputz versehenes
Mauerwerk (36,5 cm) aus hochwärmedämmenden Unipor-Ziegeln. Sie gewährleisten
mit einem Wärmeleitwert von nur 0,13 W/(mK) den geringen
Wärmedurchgangskoeffizienten der Fassade von 0,33 W/(m²K).
Kostenlose Sonnenwärme
Nach der neuen Energieeinsparverordnung ist nicht mehr der Wärmedurchgang durch
die Fassade ausschlaggebender Faktor, sondern die Optimierung aller
maßgeblichen Einflussgrößen ist gefragt. Neben der energetischen Effizienz der
Heizungsanlage spielen solare Energiegewinne bei einschaligen
Außenwandkonstruktionen, passiv oder aktiv, eine immer wichtigere Rolle.
Ausreichender Wärmeschutz und die Nutzung der Sonneneinstrahlung durch die
Glasflächen in der Fassade sind, dank moderner Warmgläser (Uv=1,1 W/(m²K)) kein
Widerspruch. Die üppige Verglasung des Gebäudes auf der Süd- und Westseite
erlaubt passive Sonnenenergiegewinne von jährlich rund 4.500 KWh. Eine
Überhitzung der dahinter liegenden Räume wird durch die massiven Wand- und
Deckenbauteile sowie die außen liegende Verschattung der Fensterflächen
verhindert.
Das "i-Tüpfelchen" stellt in energetischer Sicht die moderne und
besonders umweltfreundliche Gasbrennwehrtherme dar. Statt der üblichen
Konvektoren wurde in den Nassbereichen eine Fußbodentemperierung eingebaut. Sie
sorgt in Küche und Bad für eine optisch unauffällige, zielgerichtete Nutzung
der Heizenergie. Zur Anlage gehört außerdem ein 300 Liter großer
Warmwasserspeicher. Auf dem Dach vorgesehene Solarkollektoren sollen die
Warmwasseraufbereitung übernehmen.
Ökologisch und behaglich
Bei der Auswahl der Baustoffe achtete der Architekt streng auf ökologische und
gesundheitliche Unbedenklichkeit. So wurde im Dach eine 20 Zentimeter dicke
Baumwoll-Dämmung aus biologischem Anbau zwischen den Sparren verwendet.
Letztere wurden auch nicht mit Holzschutzmitteln behandelt.
Hettl überzeugte vor allem die Sägemehlporosierung und kapillare Struktur der
Unipor-Ziegel. Das Sägemehl verglüht im Brennprozess und hinterlässt unzählige
kleine Poren. Die in den Poren eingeschlossene Luft sorgt in Verbindung mit dem
ausgeklügelten Lochbild des Ziegels für die guten Wärmedämm-Eigenschaften. Ein
weiterer Pluspunkt sind die beim Trocknen des Tonmaterials entstehenden
Kapillare. Hettl: "Der Ziegel trägt dadurch zum angenehmen Raumklima bei.
Überschüssige Raumfeuchte wird zwischengespeichert und bei trockener Luft wieder
abgegeben." Hilfreich war ihm das Öko-Zertifikat der Arbeitsgemeinschaft
Umweltverträgliches Bauprodukt. Die ausgezeichneten Produkte mussten dafür
zahlreiche Umwelt- und Gesundheitskriterien erfüllen.
Kamin in der Glasfassade
Durch die großen Glasflächen ist eine hohe Tageslichtdurchflutung der Räume
zwangsläufig gegeben. Ein Blickfang ist der in die Glasfassade integrierte
Kamin. Er besteht aus einem Heizeinsatz mit Glasschiebetür und ist sowohl innen
wie auch außen mit einer Granitplatte eingedeckt. Der Kamin wirkt nicht wie ein
Fremdkörper, sondern verknüpft durch die direkte Blickbeziehung mit dem Garten
die ziegeltypischen Elemente Feuer und Natur.
Das im Jahr 2002 fertiggestellte Haus erfüllt die Erwartungen hinsichtlich des
sparsamen Energieverbrauches. "Dieses belegt, dass ich mit der Wahl des
Wandbaustoffes und dem energetischen Konzept richtig lag", stellt Hettl
fest. "Der Energieverbrauch entspricht einem sogenannten 7-Liter-Haus.
Angenehm überrascht hat mich insbesondere die wärmespeichernde Wirkung der
Ziegelwände, die in den kühleren Abendstunden die tagsüber gespeicherte
Sonnenwärme abgeben und dadurch wie eine zusätzliche Wandheizung wirken."
Bautafel
Objektadresse: Hormersdorfer Str. 25, 90587 Obermichelbach
Bauherren: Kerstin und Tobias Hettl, 90578 Obermichelbach
Rohbau: Bauunternehmen Eugen Ultsch, 90587 Veitsbronn
Wandbaustoff: Unipor-Niedrigenergieziegel (Außenwände); DIN-Ziegel
(Innenwände)
Herstellwerk: Dehn-Ziegel GmbH & Co.KG, 91413 Neustadt/Aisch
Nutz-/Wohnfläche: 202/148 Quadratmeter
Baukosten nach DIN 276: 193.600 Euro
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Große Fensterfronten auf der Süd- und Westseite erzielen passive
Sonnenenergiegewinne von rund 4.500 KWh pro Jahr. In die Glasfassade wurde
der Kamin integriert. |
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Traditionelle Bauformen neu interpretiert: Typisch fränkische Elemente
kombiniert der Bauherr mit der Ökologie eines Sieben-Liter-Hauses aus
Ziegeln. |
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Blick von der Galerie: Ausgedehnte Glasflächen lassen viel Licht ins
Haus. |